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Das Wort '''Kunst''' (lateinisch ''ars'', griechisch ''téchne''

Kunst ist ein menschliches Kultur?produkt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selbst sein. Ausübende der Kunst im engeren Sinne werden Künstler genannt.

Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs ''Kunst'', die sich als Gegensatz zur ''Natur'' auf alle Produkte menschlicher Tätigkeit beziehen konnte, hat sich zwar erhalten (wie z.?B. in .'' 21. Auflage. Band 16, Brockhaus, Leipzig 2006, ISBN 3-7653-4116-9, S. 93?94.</ref>

Ausdrucksformen und Techniken der Kunst haben sich seit Beginn der Moderne stark erweitert, so mit der Fotografie in der bildenden Kunst oder mit der Etablierung des Comics als Verbindung bildender Kunst mit der Narrativität der Literatur. Bei den darstellenden Künsten, Musik und Literatur

Biologie

Die rasante Entwicklung der Biowissenschaften hat dazu geführt, dass auch höhere kognitive Leistungen des Menschen in den biologischen Disziplinen untersucht werden. Davon sind auch das künstlerische Gestaltungsbedürfnis und die ästhetischen Empfindungen nicht ausgenommen. Biologische Untersuchungen mit Bezug auf die Kunst finden insbesondere in der Evolutionstheorie und der Neurowissenschaft statt.

In der Evolutionsbiologie werden Verhaltensweisen in der Regel über einen Selektionsvorteil erklärt. Konkret bedeutet das, dass kunstbetreibende und kunstschätzende Menschen mehr Nachkommen zeugen müssten als die anderen. Ein derartiges Erklärungsmuster scheint in Bezug auf Kunst nicht unmittelbar einsichtig. Dennoch finden sich Kunstformen in allen historischen Epochen und Kulturbereichen, was darauf hinweist, dass ein Kunstbedürfnis biologisch gegeben und nicht ''allein'' ein Ergebnis sozialer Prägung ist. Für die biologische Verankerung des Kunstbedürfnisses können mehrere Erklärungen angeboten werden. Am wahrscheinlichsten ist die Kunst als Auswahlkriterium für die Partnerwahl. Die menschliche Evolution ist durch eine Zunahme des Gehirn?volumens und damit der kognitiven Fähigkeiten geprägt. Die Fähigkeit, Kunst zu produzieren, ist ein von außen erkennbarer Hinweis auf Kreativität, welche auch in anderen Problemfeldern zu kreativen Lösungen führen kann. Menschen, die Zeit für Kunst hatten, hatten keine Probleme, die täglichen Bedürfnisse nach Nahrung und Sicherheit zu stillen, denn wer neben dem Alltag noch Reserven für primär sinnfreie Tätigkeiten wie Kunst hat, stellt damit seine Überlebensfähigkeit dar. Der Mensch als soziales Wesen hat viele Mechanismen entwickelt, um seine sozialen Gemeinschaften zu stärken. Auch die Kunst kann als Spender gruppenspezifischer Traditionen und Werte menschliche Gemeinschaften stützen.

Eine andere Hypothese geht davon aus, dass das Kunstbedürfnis ein Nebenprodukt (Epiphänomen) der Entwicklung anderer überlebensrelevanter, kognitiver Leistungen ist. Die Vorteile dieser kognitiven Fähigkeiten müssten demzufolge die Nachteile des Kunstbedürfnisses (Zeit, Material) übersteigen.

Eine Bestätigung soziobiologischer Theorien durch Experimente ist nicht durchführbar, da Kreuzungsexperimente mit Menschen ethisch nicht vertretbar sind. Die Theorien müssen deshalb spekulativ bleiben. Insbesondere die Abgrenzung zum Kunstbedürfnis als Produkt der kulturellen Evolution ist schwierig.

Psychologie und Neurowissenschaften

In der Psychologie wird der gestalterische Aspekt von Kunst durch die Kreativitätsforschung untersucht, der Wahrnehmungs- und Bewertungsaspekt durch die experimentelle Ästhetik.

Die Bewertung eines künstlerischen Werks unterliegt unterschiedlichen Faktoren. Zum Beispiel führen Charakteristika des bewertenden Individuums (wie seine Persönlichkeit und sein Geschmack) zu unterschiedlichen Präferenzen. Eine Studie von über 90.000 Personen zeigte, dass Persönlichkeitsmerkmale, wie Offenheit für Erfahrung, starke Korrelate der Präferenzen für bestimmte Gemälde und für das Genießen von Besuchen in Kunstgalerien sind.

Die Bewertung von Kunst ist über verschiedene Epochen hinweg weg weder völlig übereinstimmend, noch völlig unabhängig voneinander: Bei der Bewertung des Lebenswerks von Renaissance-Malern durch Kunsthistoriker aus über 450 Jahren beträgt der Grad der Übereinstimmung zwischen den Beurteilungen ungefähr ''W ='' 0,5 (mögliche Werte: 0 bis 1).

Auf biologischen Grundlagen stützen sich die Neurowissenschaften bei der Erforschung des Kunstbedürfnisses. Ein höchstens grob realisierbares Projekt ist dabei die Zuordnung künstlerischen Schaffens zu neuronalen Prozessen. Zwar werden bei verschiedenen kognitiven Prozessen unterschiedliche neuronale lassen.

Psychoanalyse

Sigmund Freud sah in der Kunst ? wie in jeder kreativen Tätigkeit ? eine Möglichkeit, den Trieb der Libido auf nicht-sexuelle Weise zu sublimieren.

Der Kunstbegriff in umfassender Bedeutung

Es gibt die schönen Künste, aber auch die Ingenieurskunst, die Kunst der Rede oder der Diplomatie, den Ballkünstler, und auf sehr vielen Gebieten den Künstler in seinem Fach. Was ist, in dieser umfassenden Bedeutung, aller Kunst gemeinsam ? und was unterscheidet dann die Künstler in den jeweiligen Fächern voneinander? Kunst in diesem sehr weiten Sinn ist eine kreative Tätigkeit (und deren Ergebnis), die mit höchster Effizienz ausgeübt wird; dass also, gemessen an den eingesetzten Mitteln, mit dem Ergebnis eine möglichst große Wirkung erzielt wird. Bei vergleichbarer Wirkung erfährt nicht der höhere, sondern der vergleichsweise maßvollere Aufwand die höhere Wertschätzung als Kunst. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Instrumentarium nur einfach und bescheiden sein müsste oder dass es für den Künstler immer einfach ist, zur einfachsten Lösung eines Problems oder zu den wirkungsvollsten Ausdrucksmitteln zu gelangen.

Die einzelnen Formen von Kunst unterscheiden sich aber in der Art der Wirkung, und diese hängt vom Sachgebiet ab. Das Ziel der Ingenieurskunst ist z.?B. die tragfähige und solide Brücke, das Wesentliche am Essay ist die scharfsinnige Analyse, der Schwerpunkt der schönen Künste liegt vorwiegend im Wecken und Anregen von Gefühlserlebnissen. Man kann viele Tätigkeiten als Kunst im weitesten Sinn ausüben; die Kriterien dafür sind Kreativität und Effizienz.

Rechtliche Stellung

Kunst ist eine Erscheinung in jeder Kultur, Gegenstand sozialer Konventionen und ? sofern eine Gesellschaft ein Rechtswesen entwickelt ? ein Objekt der Gesetzgebung. In demokratischen Ländern ist das Recht auf Kunstfreiheit entweder in der Verfassung verankert oder im Rahmen der Meinungsfreiheit garantiert. In Staaten mit anderer politischen Organisation wird die Kunstausübung häufig reglementiert und/oder zu Propaganda?zwecken instrumentalisiert. Diktaturen setzen Kunst häufig gezielt dazu ein, das jeweilige Regime zu stabilisieren. Freier künstlerischer Ausdruck wird einer Zensur unterworfen und mit Repressionen bedroht, oder ihnen tatsächlich ausgesetzt. Aufgrund derartiger Repressionen produzieren Künstler dann kritische Werke nicht (''Schere im Kopf''), veröffentlichen sie nicht, oder gehen in eine innere Emigration. Einige Künstler verinnerlichen die staatlichen, sozialen und/oder religiösen Anforderungen und produzieren ? aus Überzeugung oder aus wirtschaftlichen Zwängen ? affirmative Werke.

Plagiate, Imitate und stark von anderen Künstlern beeinflusste Werke gab und gibt es in jeder Phase der Kunstgeschichte. Wenn der Produzent seine Vorlagen verbirgt, ist dies als Kunstfälschung ebenso strafbar, wie eine Verletzung des Urheberrechts. Um eine solche Verletzung rechtlich fassbar zu machen, werden vom Gesetzgeber Kriterien eingeführt, die im Kunstbetrieb selbst keine Rolle spielen. So kann aus der Sicht des Urheberrechts ein Künstler ein Werk beispielsweise erst dann als sein Eigentum bezeichnen, wenn es eine ausreichende Schöpfungshöhe erreicht hat. Diese setzt eine persönliche, individuelle und geistige (menschliche) Schöpfung voraus, welche eine durch die menschlichen Sinne wahrnehmbare Form besitzt (''siehe'' Werkbegriff des Urheberrechts bzgl. der Schöpfungshöhe).

Die Kunstfreiheit ist in Deutschland ein durch Abs.?3 etc.) genießen beziehungsweise andererseits auch rechtlichen Beschränkungen (Ausfuhrverbote etc.) unterworfen sein.

Siehe auch

Literatur

Kunst und bildende Kunst allgemein

  • Ernst H. Gombrich: ''Die Geschichte der Kunst''. Phaidon, Berlin 2002.
  • Georg W. Bertram: ''Kunst. Eine philosophische Einführung.'' Reclam, Ditzingen 2005.
  • Georg W. Bertram: ''Kunst als menschliche Praxis. Eine Ästhetik.'' Suhrkamp, Berlin 2014.
  • Fondation Beyeler (Hrsg.): ''Was ist Kunst?'' Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3526-1 (hatjecantz.de).
  • Broder Christiansen: ''Philosophie der Kunst''. Clauss und Feddersen, Hanau 1909.
  • Karlheinz Deschner: ''Kitsch, Konvention und Kunst. Eine literarische Streitschrift''. List, München 1957; Ullstein, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-548-34825-4.
  • John Dewey: ''Kunst als Erfahrung''. Verlag, Frankfurt am Main 1998.
  • Umberto Eco: ''Das offene Kunstwerk.'' Frankfurt am Main 2002.
  • Stephen Farthing (Hrsg.): ''Kunst. Die ganze Geschichte.'' DuMont, Köln 2011, ISBN 978-3-8321-9385-0.
  • Daniel M. Feige: ''Kunst als Selbstverständigung.'' Mentis, Münster 2012.
  • Hans-Georg Gadamer: ''Die Aktualität des Schönen. Kunst als Spiel, Symbol und Fest''. Reclam, Ditzingen 1977.
  • Nelson Goodman: ''Weisen der Welterzeugung''. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-518-57615-1.
  • Nelson Goodman: ''Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie''. Verlag, Frankfurt am Main 1997.
  • Peter Hacks: ''Die Maßgaben der Kunst.'' Eulenspiegel-Verlag u. a.
  • Michael Hauskeller: ''Was ist Kunst? Positionen der Ästhetik von Platon bis Danto''. Beck, München 2002, ISBN 3-406-45999-4.
  • Dieter Henrich, Wolfgang Iser (Hrsg.): ''Theorien der Kunst''. Frankfurt am Main 1999.
  • Immanuel Kant: ''Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen''. Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 2002, ISBN 3-928640-51-8.
  • Harry Lehmann: ''Die flüchtige Wahrheit der Kunst. Ästhetik nach Luhmann.'' Fink, München 2006, ISBN 3-7705-4193-6.
  • Heinrich Lützeler: ''Kunsterfahrung und Kunstwissenschaft. Systematische und entwicklungsgeschichtliche Darstellung und Dokumentation des Umgangs mit der bildenden Kunst''. (= ''Orbis academicus'' I/15, 1?3). 3 Bände. Alber, Freiburg/ München 1975, ISBN 3-495-47309-2.
  • Andreas Mäckler: ''1460 Antworten auf die Frage: Was ist Kunst?'' DuMont Buchverlag, Köln 2000, ISBN 3-7701-5420-7. (Früher: ''Was ist Kunst?'' 1987)
  • Hanno Rauterberg: ''Und das ist Kunst?! ? Eine Qualitätsprüfung.'' S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-062810-7.
  • Brigitte Riese: ''Seemanns Lexikon der Kunst. Architektur, Grafik, Kunsthandwerk, Malerei, Plastik, Schulen, Stile, Tendenzen''. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86502-018-5.
  • Christian Saehrendt, Steen T. Kittl: ''Das kann ich auch ? Gebrauchsanweisung für moderne Kunst.'' DuMont Literatur und Kunstverlag, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-7759-1.
  • Martin Seel: ''Ästhetik des Erscheinens.'' Frankfurt am Main 2003.
  • Leo Graf Tolstoi: ''Was ist Kunst? Eine Studie.'' Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 1998, ISBN 3-928640-33-X.
  • Wolfgang Ullrich: ''Was war Kunst? Biographien eines Begriffs.'' S. Fischer, Frankfurt am Main 2005.
  • Wolfram Völker (Hrsg.): ''Was ist gute Kunst?'' Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7757-1976-6, S. 167.
  • Tasos Zembylas: ''Kunst oder Nichtkunst. Über Bedingungen und Instanzen ästhetischer Beurteilung.'' WUV-Univ.-Verlag, Wien 1997.

Romantik

Kunst und Arbeitswelt

  • Friedrich Schnack: ''Die Welt der Arbeit in der Kunst.'' Schuler Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1965, . (Kunst aus 38 Museen und Sammlungen in Europa, Russland und den USA ? mit dem zeitlichen Schwerpunkt vom Merkantilismus bis zum Industriezeitalter)

Außereuropäische Kunst

  • Clifford Geertz: ''Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme.'' Frankfurt am Main 2002.

Kunst und Politik

Philosophische Ästhetik und Kunstpraxis

  • Theodor W. Adorno: ''Gesammelte Schriften.'' Band 7: ''Ästhetische Theorie.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970, ISBN 3-518-57083-8.
  • Annemarie Gethmann-Siefert: ''Einführung in die Ästhetik.'' Wilhelm Fink Verlag, München 1995, ISBN 3-7705-3059-4.
  • Nina Zschocke: ''Der irritierte Blick: Kunstrezeption und Aufmerksamkeit.'' 1. Auflage. 2005, ISBN 3-7705-4157-X.
  • Harry Lehmann: ''Gehaltsästhetik. Eine Kunstphilosophie.'' W. Fink, Paderborn 2015, ISBN 978-3-7705-5983-1.

Weblinks

Einzelnachweise